Zug der Erinnerung in Saarbrücken: Ungesühnt und unvergessen
Ansprache der Bürgerinitiative bei Einfahrt des Zuges auf Gleis 1 des Hauptbahnhofs Saarbrücken

Foto: Petra Jung/SK
Saarbrücken – Chers représentants des organisations-victimes de la Lorraine et de toute la France, chers amis luxembourgeois, – Sehr geehrte Damen und Herren der Landesregierung, der Stadt Saarbrücken und ihrer zivilgesellschaftlichen Organisationen, liebe Freunde des Vereins “DenkmalMit!”
Seit über zwei Jahren fährt der “Zug der Erinnerung” durch Deutschland, um jener Kinder zu gedenken, die für immer verschwanden. Es gibt fast keine deutsche Stadt, die diese Opfer nicht zu beklagen hätte.
Auf dem Güterbahnhof von Saarbrücken sind es nicht allein die saarländischen Kinder und ihre Familien, die verschleppt wurden. Die Reichsbahndirektion Saarbrücken sorgte ebenso für die Massendeportationen aus Metz-Marchandises und aus Luxembourg-Hollerich. Historiker sprechen von etwa 250 Waggons, die mit ihrer menschlichen Fracht allein aus der Lorraine die Lager ansteuerten.
Diese Mordbeihilfe der “Deutschen Reichsbahn” ist bis heute ungesühnt.
Deswegen beklagen wir die Sprachlosigkeit der juristischen und historischen Erben des Mordgeschehens.
Wir schämen uns für die Indifferenz, für das Desinteresse an den “Reichsbahn”-Opfern, die oft in psychischer und physischer Not ihre letzten Lebensmonate verbringen.
Wir bitten Sie, sehr geehrte Vertreter der Landesregierung und der Stadt Saarbrücken, diesen Zustand endlich zu ändern und mit uns gemeinsam für einen deutschlandweiten Hilfsfonds einzutreten.
Wir bitten Sie auch, alles dafür zu tun, dass im Bereich Ihrer Verantwortung eine Wiederkehr von Rassismus und nationalistischem Größenwahn nicht geduldet wird. Diese Bedrohung kommt nicht nur aus der Gosse der Nazis, sondern auch aus dem Milieu der deutschen Eliten.
Wir begrüßen die Stellungnahme des Zentralrats der Juden in Deutschland und schließen uns seinem Urteil an: Die widerlichen Äußerungen eines Mitglieds der Deutschen Bundesbank erinnern an den Rassismus der Goebbels und Hitler. Wir fügen hinzu: Die von einem deutschen Ministerpräsidenten gehaltenen Reden, bei denen es um angeblich faule Rumänen und Aufrufe zur Gewalt an Asiaten ging, sind von ähnlicher Sorte.
Was diesen Äußerungen gemein ist, ist die Reduktion des menschlichen Lebens auf seinen betriebswirtschaftlichen Nutzen. An dieser Stelle beginnt die Aussonderung all derer, die den sogenannten Leistungsträgern nicht angehören können oder wollen: Die Unnützen, das “lebensunwerte Leben”.
Was solchen Äußerungen in Deutschland zu folgen pflegt, ist der Weg in Verfolgung und Vernichtung. Wir bitten Sie, meine Damen und Herren, dieser Entwicklung zu widerstehen und öffentlich Stellung zu beziehen!
Die Opfer, die Kinder und Jugendlichen aller Nationen, die nie mehr zurück kehrten, sind unvergessen!



