“Steckt sie in den Zug” – Zug der Erinnerung noch bis Freitag in Saarbrücken
Am kommenden Freitag setzt der Zug seine Reise nach Norddeutschland fort – Der geplante Aufenthalt in Luxembourg entfällt

Zug der Erinnerung auf dem HBF Saarbrücken - Foto: Petra Jung/SK
Saarbrücken – Stark gegenwartsbezogen und ungewöhnlich prägnant verlief die Eröffnung der Zugausstellung auf dem Hauptbahnhof Saarbrücken. Dort waren Lok und Wagen am Montag dieser Woche auf Gleis 1 eingetroffen. Mehrere Redner forderten, gegen den um sich greifenden Rassismus deutlicher Stellung zu beziehen. Richard L. Borg, ehemaliger Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde Saarbrücken und jetziger Leiter des Vereins “DenkmalMit!”, warf einem führenden Mitglied der Deutschen Bundesbank “primitivste Diskriminierung” vor. Die Bedrohung durch Rassismus und nationalistischen Größenwahn komme nicht nur aus der Gosse der bekennenden Nazis, hieß es in der Ansprache des “Zug der Erinnerung”. Zunehmend beteiligt seien auch die “deutschen Eliten”.
Auch der Leiter der Landeszentrale für politische Bildung im Saarland, Dr. Burkhard Jellonek, fand bei der Eröffnung deutliche Worte. Jellonek zitierte Veröffentlichungen im deutschen Internet, auf die über YouTube ungehinderter Zugriff besteht. Dort heißt es in einem tausendfach abgerufenen Liedtext über türkische Einwanderer:
“Steckt sie in den Kerker
oder schickt sie ins KZ,
von mir aus in die Wüste
aber schickt sie endlich weg.
Tötet ihre Kinder,
schändet ihre Fraun,
vernichtet ihre Rasse
und lehrt ihnen das Graun.”
Der Text endet mit einem Aufruf:
“Dann macht doch endlich Schluss,
ihr seid doch wohl genug,
macht es so wie damals
und steckt sie in den Zug!”
Wie Jellonek berichtet, seien die Versuche der Sperrung dieses Mordaufrufs bislang gescheitert. Jellonek bat um mehr Unterstützung bei der Abwehr rassistischer Aktivitäten.



