Stuttgarter Aktion erinnert an „Euthanasie-Verbrechen“ vor 70 Jahren
Die Ermordung von Kranken und Behinderten im „Dritten Reich“ ist kaum im öffentlichen Bewusstsein verankert. Eine Stuttgarter Initiative will im Oktober eine sichtbare Spur vom Ort des Verbrechens zu den Schreibtischtätern legen
Stuttgart (soz) – Was von Fachleuten immer wieder als Vorstufe zum Holocaust bezeichnet wurde, nahm seinen Ausgang vor genau 70 Jahren. Damals brüteten eifrige Beamte im Württembergischen Innenministerium die regionalen Pläne für die industrielle Massenvernichtung von Menschen aus, die nicht in ihre braune Rassenlehre passten. In der ländlichen Idylle von Schloss Grafeneck – fernab der pulsierenden Landeshauptstadt – begann Teil eins der reichsweiten „Aktion T4“, im Verlauf derer allein in Grafeneck über 10 600 Kranke und Behinderte den Tod in der Gaskammer fanden. In Grafeneck erinnert – wenn auch erst seit 2005 – die dortige Gedenkstätte an die geplante Mordaktion. Dort, wo die Schreibtischtäter saßen, findet sich dagegen kein einziger Hinweis auf das Verbrechen.
Der Arbeitskreis „Euthanasie“ der Initiativen Stolpersteine und das Bürgerrechtsforum „Die AnStifter“ haben die Idee für eine „Spur der Erinnerung“ entwickelt, die sich von Grafeneck bis nach Stuttgart ziehen soll. Ein zehn Zentimeter breiter violetter Streifen, den die Initiatoren auf Gehwegen, Straßen und Plätzen aufgetragen möchten, soll beide Orte miteinander verknüpfen. Möglichst viele Menschen wollen die Initiatoren für das Projekt gewinnen. Die eigentliche Projektwoche beginnt am 12. Oktober mit einem wissenschaftlichen Symposium zur „NS¬Euthanasie“ im Plenarsaal des Stuttgarter Rathauses. Die Farbspur wird dann in der Zeit vom 13. bis zum 16. Oktober gelegt. Die jetzige Aktion ist als Vorbereitung für ein Folge-Projekt im nächsten Jahr angelegt: Dann will das Stuttgarter Aktionsbündnis 2010 nochmals an Massenvernichtung von Kranken und Behinderten im „Dritten Reich“ erinnern.



