Unabhängigkeitserklärung des Kosovo beflügelt Separatisten im Saarland
Ein Gespenst geht wieder mal um in Europa

Glosse von Gisbert Spränzer
Nachdem der Internationale Gerichtshof in Den Haag (IGH) die Unabhängigkeit des Kosovo per Urteil für rechtens erklärt hat, sehen sich nicht nur die Separatisten in Catalonien und Schottland im Aufwind. Auch durch das Saarland weht das Gespenst der Unabhängigkeit. Bedingt durch das ständige Gestänkere zahlreicher Politiker, man wolle das knuffelige Land am Nabel Europas zu einem rheinland- pfälzischen Protektorat machen, haben die einzelnen Unabhängigkeitsbewegungen in den letzten Monaten enormen Zuwachs verzeichnet. Allein die Volkfront zur Befreiung des Saarlandes sowie die anarchistisch geprägte Saarländische Volksbefreiungungsarmee konnten mehrere tausend Neumitglieder in ihren Reihen verzeichnen. Ebenso haben die Monarchisten, ihnen soll angeblich auch Landesvater Peter Müller angehören, Zuwachs bekommen. Im Landesamt für Verfassungsschutz soll bereits Panik ausgebrochen sein. Hier rechnet man jederzeit mit einem Staatsstreich.
Oberstleutnant Wilfried von Bockschuss, Kommandeur der 1. Saar-Grenadier- Abteilung der Volkfront zur Befreiung des Saarlandes, sagte dem Untergrundsender „Freies Saarland“, seine Truppen stünden jederzeit bereit, die Staatskanzlei in Saarbrücken zu besetzen und von dort aus die Unabhängigkeit des Landes auszurufen. Laut von Bockschuss habe man bereits eine Verfassung ausgearbeitet und von dem bekannten Saarbrücker Musiklehrer Gottfried H. eine Saar-Hymne komponieren lassen. Zur Stunde X sollen auch sämtliche Kirchen des Landes besetzt werden, damit zwischen dem Schaumberg und der Bliesmündung zeitgleich zur Unabhängigkeitserklärung die Glocken ordentlich läuten können.
Derweil wurde bekannt, dass bereits ein Schattenkabinett im Keller eines Anwesens in Oberlimbach zusammengetreten ist. Dort sollen nach glaubwürdigen Augenzeugenberichten auch saarlandweit bekannte Bonapartisten gesehen worden sein. Eine Aufforderung an den Papst, unverzüglich zur Krönung des neuen saarländischen Staatsoberhauptes zu erscheinen, dürfte bereits beim Heiligen Stuhl eingegangen sein.
In der Landesgeschäftsstelle der Saar-Sozis in der Saarbrücker Talstraße werden bereits die Mitgliederdatei und andere relevante Akten verbrannt, berichtet ein Taxifahrer. Die gesamten Saar-Grünen sollen schon auf der Flucht sein, und auch bei den Linken und der FDP herrscht – wie immer- nicht gerade Wohlbefinden.
Für die Saar-Separatisten ist mit dem Urteil des IGH in der Kosovo-Frage der Zeitpunkt zum Handeln erreicht. Ein Zurück kommt nicht mehr in Frage. Spekuliert wird lediglich noch über den Zeitpunk, wann dem Land die Stunde schlägt. Favorisiert wird der Tag X für den 08. August 2010, während des Saar-Spektakels. Termin für die völkerrechtliche Saarbombe könnte aber auch das Nauwieser Viertelfest sein, das zwischen dem 30.07.2010 und 01.08.2010 über die Bühne geht. Zur Fête de Nauwieser werden auch zahlreiche Separatisten aus Lothringen und dem Elsaß in der saarländischen Landeshauptstadt erwartet. Diese gelten als besonders erfahrene und gefürchtete Unabhängigkeitskämpfer.
Unterstützung für die saarländischen Sezessionsbewegungen kommt unterdessen aus vielen Teilen Europas. Per e-mail kündigte das Präsidium des CF- Barcelona an, jährlich zur Stützung des Landeshaushaltes zu einem Benefizspiel im Saarbrücker Ludwigsparkstadion gegen die neu zu gründende Nationalmannschaft der Saar antreten zu wollen. Dem schlossen sich renomierte Vereine aus Schottland, dem Balkan, einigen Kaukasusrepubliken sowie die Fussball-Nationalmannschaften von Gibralter, Nordzypern, Sansibar und der Freien Republik Sankt Pauli an.
Unterdessen werden überall im Land Flugblätter verteilt, in denen die Saarländer aufgerufen werden, Tag und Nacht die Fenster geöffnet zu halten, damit niemand verschläft, wenn die Glocken des Landes die Unabhängigkeit des Saarlandes einläuten. Mit einer Intervention oder gar dem Widerstand der Bundesregierung wird nicht gerechnet. Ein Separatist mit Dreschflegel und Mistgabel sagte, die Berliner Wildsau- und Gurkentruppe sei eh in Urlaub und danach wieder pausenlos mit ihrem verbalradikalen Bürgerkrieg beschäftigt. „Unabhängigkeit jetzt oder nie“ so der Separatist mit grimmigem Gesichtsausdruck abschließend.




