Saarland: Pflegenotstand, Arbeitsverdichtung und Personalabbau -Wie geht das zusammen?
Hände weg vom Pflegepersonal
Saarbrücken – In Saarbrücken warnte gestern ver.di Landesbezirksleiter Alfred Staudt vor Plänen, das Krankenpflegepersonal in den saarländischen Krankenhäusern ausdünnen zu wollen. Er kündigte den Widerstand seiner Gewerkschaft an „In den Krankenhäusern gibt es nicht zu viel Personal. Wer die Fachkräftequote weiter senken will, der bekommt es mit ver.di zu tun.“ Wer sich in den Häusern umsehe, der wisse, dass dort Pflegenotstand herrsche. Arbeitsverdichtung und Personalabbau sei nicht mehr zu ertragen, gerecht geht anders, so Staudt.
Neben durchaus richtigen Feststellungen hatte der Geschäftsführer der saarländischen Krankenhausgesellschaft Dieter Möcks in Bewertung einer Studie der Techniker Krankenkasse festgestellt, es gebe im Saarland „die im Bundesvergleich höchste Zahl examinierter Krankenschwestern.“ Offensichtlich will man den so genannten Landesbasisfallwert durch Reduzierung der Pflegekraftkräfte zum Sinken bringen.
„Wenn es in anderen Ländern noch weniger Krankenpflegerinnen und Krankenpfleger gibt, dann ist das ein Skandal, denn auch im Saarland hat die Arbeitsdichte so zugenommen, dass die Arbeit kaum bewältigt werden kann. Wer mehr examinierte Kräfte hat, kann auch bessere Qualität liefern“, stellte der Krankenpfleger und frühere Qualitätsmanager und heutige Gewerkschaftssekretär Michael Quetting fest. Quetting verwies auf das im Mai veröffentlichte „Pflegethermometer“. Dieses habe die unhaltbaren Zustände in den Krankenhäusern deutlich gemacht. Trotz härtester und engagierter Arbeit der Pflegekräfte können hilfsbedürftige Patienten oftmals keine sichere Versorgung mehr erwarten, stellte das „Deutsche Institut für angewandte Pflegeforschung“ fest. In den Krankenhäusern herrsche ein „chronischer Pflegemangel“. Dieser führe etwa dazu, dass es sowohl bei der Überwachung, der Mobilisierung und fachgerechten Betreuung von Patienten als auch bei der Versorgung Schwerstkranker und Sterbender mittlerweile flächendeckend zu pflegerischen Versorgungsmängeln komme. Ursache der Missstände sei die „vollkommen unzureichende Personalausstattung“, betonte Quetting.
ver.di erneuert die Forderung nach einer qualifizierten und am Bedarf ausgerichteten Personalbemessung.




