Tiefsee-Ölbohrungen sind unverzichtbar
”Wir haben leider keine andere Wahl”
Berlin – Die Energieökonomin Claudia Kemfert ist gegen ein Moratorium für Tiefsee-Ölbohrungen. In einem heute veröffentlichten Gastbeitrag für das Internetportal energlobe.de schreibt Kemfert: “Keine Frage: Tiefseebohrungen sind riskant. Insbesondere wenn es in Meerestiefen von über 1.500 Meter geht, wie derzeit die Ölkatastrophe im Golf von Mexiko zeigt. Allerdings ist die Technik beherrschbar, und wir haben leider auch keine andere Wahl: Insbesondere die westliche Welt braucht dieses Tiefsee-Öl”.
In ihrem Gastbeitrag kritisiert Kemfert, die beim DIW Berlin die Energieabteilung leitet und Professorin für Energieökonomie und Nachhaltigkeit ist, die nach wie vor hohe Abhängigkeit der Industriestaaten: “Die erste und zweite Ölpreiskrise aus den Siebziger und Achtziger Jahren haben zwar kurzfristig zu Empörung geführt. Anstatt damals die Weichen der Energieversorgung neu zu stellen, blieb jedoch alles beim Alten.”
Kemfert prognostiziert, dass die globale Ölnachfrage im kommenden Jahrzehnt auf 100 Millionen Barrel pro Tag ansteigen wird – heute liegt sie bei 85 Millionen Barrel. Gleichzeitig gingen herkömmliche, leicht erschließbare Felder zur Neige. Kemfert: “Daher waschen wir schon heute mit einem unglaublichen Aufwand und großer Umweltverschmutzung Öl aus Sänden und Gesteinen heraus, vor allem in Kanada. Und wir benötigen wohl oder übel die Tiefseeölbohrungen, nicht nur in den USA, sondern auch vor Brasilien oder Afrika.”
Weil der größte Teil des Öls im Verkehrsbereich verbraucht werde, müsse man “so rasch wie möglich andere Antriebstechniken und Antriebsstoffe einsetzen”. Neben neuen Techniken wie beispielsweise Elektromobilität und innovativen Stromspeichern sei vor allem auch eine neue Infrastruktur notwendig. Die Märkte der Energieeffizienztechniken, der nachhaltigen Mobilität und der intelligenten Infrastruktur seien grüne Zukunftsmärkte mit enormen wirtschaftlichen Chancen. “Die Politik muss diese Bereiche fördern, und zwar langfristig”, schreibt Kemfert auf energlobe.de: “Die ölverschmierten Pelikane im Golf von Mexiko werden bald in Vergessenheit geraten. Die nachhaltige Energiewende darf es nicht.”
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Ich sehe das anders.
Solange in der globalen Marktwirtschaft fossile Energieträger billiger sind als “erneuerbare” (Anführungszeichen wegen des physikalischen Unsinns des Wortes, aber es dürfte klar sein, was gemeint ist) wird es einen Markt für Tiefseeöl und Öl aus Ölsänden geben. Da nicht alle Länder die fossilen Energiequellen hoch besteuern und die Erneuerbaren subventionieren wollen oder können, ist der Weg zum Stopp dieser Abbaumethoden wohl doch am ehesten deren globales Verbot. Die Durchsetzung solcher Verbote ist allemal realistischer, als eine Abschaffung des Weltmarktes. Durch ein solches Verbot würde das Angebot fossiler Energieträger verringert, dadurch die Preise steigen und die Wettbewerbsfähigkeit erneuerbarer Energien steigen. Diese Entwicklung findet eh statt. Es geht ums Tempo. Angesichts der Meldungen und Bilder aus dem Golf von Mexiko und dem Raubbau an der Natur in Kanada stellt sich die Frage, ob eine Beschleunigung der Energiewende durch ein Verbot solcher Fördermethoden nicht auch ökonomisch sinnvoll wäre.