Keine Hilfe für die “Reichsbahn”-Opfer
Bitten und Appelle blieben unberücksichtigt

Zug der Erinnerung im Hauptbahnhof Saarbrücken - Foto: Petra Jung/SK
Berlin – Die letzten Überlebenden der “Reichsbahn”-Deportationen können auf keine schnelle Hilfe hoffen. Dies teilt die Bürgerinitiative “Zug der Erinnerung” mit, die ehemalige Deportierte aus Deutschland und mehreren osteuropäischen Staaten unterstützt. Demnach lässt Bundesverkehrsminister Ramsauer (CSU) an ihn gerichtete Schreiben seit November vergangenen Jahres unbeantwortet.
Auch der Vorstand der DB AG schweige zu mehrmaligen Aufforderungen, sich der “Reichsbahn”-Opfer anzunehmen. “Wir hatten gehofft, Sie würden das Alter der Überlebenden berücksichtigen, deren Leiden weder moralisch noch materiell abgegolten sind”, heißt es in einem Brief der Bürgerinitiative an die DB AG vom 20. April. “Mit der notwendigen Unterstützung weiter zu warten und die angebotenen Gespräche dilatorisch zu behandeln, kann nur bedeuten, auf den Tod der Opfer zu setzen.” Da sämtliche Bitten und Appelle unberücksichtigt blieben, sehe man sich veranlasst, “nunmehr die deutsche und internationale Öffentlichkeit über das Scheitern unserer Bemühungen zu unterrichten.”
21 Opferverbände aus fünf Staaten hatten angekündigt, notfalls gerichtlich vorzugehen, sollte die Deutsche Bahn AG eine humanitäre Geste für die letzten Überlebenden verweigern. Sie waren im Kindesalter mit Zügen der “Deutschen Reichsbahn” in die NS-Zwangs- und Vernichtungslager deportiert worden. Die Gesamtzahl der von der “Reichsbahn” verschleppten Menschen, die zu Tausenden in den Güterwagen starben, wird auf über 3 Millionen geschätzt. Dabei nahm das staatliche Bahnunternehmen nach vorsichtigen Berechnungen 455 Millionen Euro heutiger Währung ein. Juristische und historische Erben der “Reichsbahn” sind das deutsche Verkehrsministerium und die DB AG.
Anläßlich des 65. Jahrestages ihrer Befreiung wollen Überlebende der “Reichsbahn”-Deportationen den “Zug der Erinnerung” bei seiner Einfahrt nach Berlin am 8. Mai begleiten. Die DB AG hat angekündigt, Gleise zu sperren (Berlin-Spandau) und lässt offen, ob sie das Gedenken an die “Reichsbahn”-Opfer auch auf dem früheren Deportationsbahnhof Berlin-Grunewald verhindern will.




