Zug der Erinnerung – Gutachten über die Todestransporte wird in Berlin vorgelegt
Reichsbahn-Einnahmen wurden nie zurück gezahlt

Foto: Petra Jung/SK
Berlin – Bei den Massendeportationen in die NS-Vernichtungslager nahm die „Deutsche Reichsbahn“ hohe Millionenbeträge ein. Sie werden in einem jetzt erstellten Gutachten zum ersten Mal beziffert. Obwohl die Bundesrepublik Deutschland juristische Erbin dieser „Reichsbahn“-Einnahmen ist, hat sie die abgepressten Transportgelder und zugefügten Deportationsschäden nie berechnen lassen.
Das Gutachten wird am kommenden Freitag, 06. November, um 11.00 Uhr in Berlin-Moabit, Putlitzbrücke / Mahnmal für die Deportierten in Gegenwart überlebender „Reichsbahn“-Opfer der internationalen Presse zur Verfügung gestellt. Laut Gutachten erhob die staatliche „Reichsbahn“ für die Fahrten nach Auschwitz und in die anderen Todesstätten pro Person und Kilometer 2 Pfennige (etwa 12 Cent). Ein Todestransport aus Berlin (1.033 Deportierte in das Ghetto Łódź) brachte der „Reichsbahn“ nach heutiger Währung rund 63 Tausend Euro ein, für eine Massenabschiebung aus Hamburg (1.004 Deportierte nach Minsk) verbuchte die „Reichsbahn“ Einnahmen in Höhe von rund 190 Tausend Euro heutiger Währung.
Die Fahrtkosten ließ sich die „Reichsbahn“ von den Opfern bezahlen. Wie das Gutachten feststellt, wurden auch die Vergasungstransporte von „Erbkranken“ (128 Tausend Opfer) mit den üblichen „Reichsbahn“-Tarifen berechnet. Daraus ergeben sich „Reichsbahn“-Einnahmen von mehr als 4 Millionen Euro. Die Bahn-Deportationen in Polen beziffert das Gutachten mit einer zweistelligen Millionensumme. Unter den Verschleppten waren mehrere tausend Kinder und Jugendliche. Für die Schleusung von KZ-Gefangenen, die zwischen den Lagern in Güterwagen verschoben wurden, berechnete die „Reichsbahn“ ebenfalls hohe Beträge.
Schuldner der Gesamteinnahmen, die das Gutachten in heutiger Währung ausweisen wird, sind die deutschen Bundesministerien für Verkehr und Finanzen.



