Solidarität mit Frauen in Not: 15-jähriges Jubiläum von Solwodi-Koblenz
„Die Frauen tapfer machen!“

Sr. Lea Ackermann (Mitte) mit den Mitarbeiterinnen von Solwodi-Koblenz Nathalie Schmidt (li.) und Sr. Dagmar Plum - Foto: Bistum Trier
Koblenz – „Die Frauen tapfer machen, damit sie eine Zukunft haben“, das ist die Philosophie von Solwodi, der Hilfsorganisation für Frauen und Mädchen, die als Opfer von Menschenhandel, Sextourismus und illegaler Arbeitsvermittlung nach Deutschland kommen und in Not geraten. Das hat die Ordensfrau und Gründerin von Solwodi,
Dr. Lea Ackermann, am 28. Oktober in Koblenz anlässlich des 15-jährigen Bestehens der Beratungsstelle und des Schutzhauses von Solwodi in Koblenz betont. Zahlreiche Gäste würdigten die Arbeit dieses überparteilichen und überkonfessionellen bundesweiten Vereins mit Sitz in Boppard am Mittelrhein.
Schwester Lea appellierte an die Bevölkerung und an alle politischen Verantwortungsträger, ihre Augen nicht vor den schrecklichen Verbrechen zu verschließen, die hinter verschlossenen Türen geschehen. „Viele Frauen, die zu Opfern von Menschenhandel, Zwangsprostitution oder Zwangsverheiratung werden, können noch so mutig sein – gegen die Brutalität ihrer Peiniger haben die Wenigsten eine Chance“, erklärte sie. Deshalb sei jeder Mensch dazu verpflichtet, alles zu tun, damit die Frauen aus ihrer Zwangslage befreit werden. Obwohl laut Grundgesetz die Würde des Menschen unantastbar sei, würden vielen Frauen in Zwangslagen tagtäglich ihre Würde genommen. Solwodi-Koblenz war vor 15 Jahren mit dem Ziel eröffnet worden, den Opfern von Zwang und Gewalt ein vorübergehendes Zuhause zu geben und ihnen zu helfen, eine eigene Existenz aufzubauen.
Die Leiterin des Solwodi-Schutzhauses in Koblenz, Elfriede Jakobi, sagte, in den zurückliegenden 15 Jahren hätten über 150 Frauen mit ihren Kindern in der Einrichtung Zuflucht und Hilfe gefunden. Das Haus sei vorwiegend für Migrantinnen gedacht, die in ihrer Not in dem geltenden sozialen Netz sonst keine Chance hätten. Durch Solwodi erhalten diese Frauen etwa die Möglichkeit, Sprachkurse zu besuchen, rechtliche Hilfen in Anspruch zu nehmen, Prozessbegleitung in Menschenhandelsverfahren zu erhalten oder auch eine Rückkehr ins Heimatland vorzubereiten. Der Koblenzer Oberbürgermeister Dr. Eberhard Schulte-Wissermann sagte, er setze sich dafür ein, dass in der Gesellschaft eine „breite Zustimmung zur Philosophie von Solwodi“ entsteht. Die negativen Begleiterscheinungen der Prostitution dürften nicht einfach so hingenommen werden. Bundesweit sei eine „Meinungs- und Bildungsbewegung“ nötig, um die Ausbeutung von Frauen bewusst zu machen. Die Koblenzer Fachanwältin für Familienrecht, Corinna We hran-Ischert, die in ihrer Kanzlei mit den Nöten der betroffenen Frauen konfrontiert wird, nannte die Arbeit von Solwodi „vorbildlich“. Praktische Hilfe werde durch den Einsatz von Solwodi zur Selbsthilfe für die Frauen.
Als Vertreter des Polizeipräsidiums hob der Leiter der Arbeitsgruppe Menschenhandel, Lothar Wecker, die „gute Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Dienstellen und des Zeugenschutzes mit er Beratungsstelle Solwodi“ hervor. Bei den Bemühungen zur Bekämpfung des Menschenhandels sei die Vernetzung aller Beteiligten unabdingbar und notwendig. Der rheinland-pfälzische Lotto-Geschäftsführer Hans-Peter Schössler kündigte an, die Lotto-Stiftung werde im nächsten Jahr das Thema „Ausbeutung von Frauen“ im Blick haben: „Wir werden mindestens 200.000 Euro für die Frauenhäuser in Rheinland-Pfalz an Spenden zusammen bringen“. Die Grüße des Dekanates Koblenz überbrachte der stellvertretender Dechant Pfarrer Helmut Kusche. Unter Hinweis auf das biblische Gleichnis vom Barmherzigen Samariter würdigte er die Arbeit von Solwodi als „zutiefst christlich“. Er appellierte an alle Mitarbeiterinnen, sich in ihrer Solidarität mit den Frauen in Not von niemandem entmutigen zu lassen.



